Die Reproduktion von Religion in säkularen Gesellschaften
Religion ist eine der zentralen Differenzkategorien, die in modernen säkularen Gesellschaften für die Unterscheidung von Menschen und Kollektive genutzt werden. Dazu gehört auch die Grenzziehung zwischen Religion und Nicht-Religion. Das Wissen um diese Unterscheidungen und Grenzziehungen wird in unterschiedlichen Arenen säkularer Gesellschaften reproduziert, trainiert und internalisiert. So lernen zum Beispiel Schülerinnen und Schüler in Schulen oft implizit, was Religion ist und wie sie zwischen legitimer/ guter bzw. illegitimer/ schlechter Religion unterscheiden. Eine ähnliche Funktion haben auch Diversitätsdiskurse und Diskurse um das kulturelle Erbe („jüdisch-christliches Abendland“). Dieses Differenzierungswissen ist machtvoll und hat materielle Auswirkungen: Wer wird als Religionsgemeinschaft anerkannt und erhält entsprechende Privilegien? Wer kann Religionsfreiheit in Anspruch nehmen? Wie werden die Aussagen zu Kollektiven, die in anderen Kontexten als diskriminierend oder rassistisch eingestuft werden, als Religionskritik autorisiert und legitimiert? Ähnlich wie andere Klassifizierungs- und Differenzierungskategorien ist auch Religion ein machtvolles Instrument zur Durchsetzung von Ansprüchen und zur Aufrechterhaltung von hegemonialen Konstellationen.
Forschungen in diesem Bereich untersuchen gesellschaftliche Bereiche, in denen Religion als Differenzkategorie reproduziert wird und in denen sie besonders machtvoll eingeschrieben sind. Methodologisch ist dieser Forschungsschwerpunkt an den qualitativ erarbeitenden Kultur- und Sozialwissenschaften sowie an den unterschiedlichen Methoden der Diskursanalyse.
Zugeordnete Forscherinnen und Forscher
30159 Hannover
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